• Marcel Fantoni

Unentbehrlich

Wirklich, er war unentbehrlich! Überall, wo was geschah Zu dem Wohle der Gemeinde, Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle, Pferderennen, Preisgericht, Liedertafel, Spritzenprobe, Ohne ihn da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen, Keine Stunde hatt’ er frei. Gestern, als sie ihn begruben, War er richtig auch dabei.

Wilhelm Busch (1832-1908)


Jahrelang kannte ich nur die dritte Strophe und ich trug sie oft vor. Ich kannte die Version «War er glücklich auch dabei».

Mit der Idee «des überall Dabeiseins» dachte ich ab und zu über mein Leben nach.


Wie war mein Leben so nach den Sturm- und Drang-Jahren?


Heirat, zwei Kinder, Vereine, zu wenig Sport, zu viel gegessen – die Waage zeigte es, Politik, Karriere, viel gebuchter Referent… eine freie Stunde für mich? Das kannte ich nicht. Frei. Ein Mitarbeiter gab mir einen sehr guten Tipp, den er von seinem Vater, einem ehemaligen Bankdirektor geschenkt bekommen hatte:


«Mach einmal pro Woche einen Termin mit dir selbst ab. Dauer zwei Stunden. Niemand darf dich in dieser Zeit beanspruchen, du bist frei!»

Und siehe da, es funktionierte. Diesen Rat befolgte ich bis zu meinem letzten Arbeitstag. Zwei Stunden für mich!

Wie teilst du deinen Arbeitstag ein? Sitzung, Sitzung, Sitzung… ich kenne das. Aber wo bleibt dein persönlicher Beitrag für den Erfolg der Firma? Hast du Zeit um Besprechungen vorzubereiten? Und die Nachbereitung? Früher am Tag beginnen, später aufhören, alles möglich. Und trotzdem bleibt vieles liegen. Zum Beispiel: Wann hast du die Zeit, in der du einem Mitarbeiter zuhörst? Kannst du überhaupt noch zuhören? Oder fährst du der Mitarbeiterin nach zwei, drei Sätzen ins «Wort». Klar, du hast alles rasch begriffen, weiter, weiter… aber der andere Mensch? Den hast du gehörig verletzt. Immer weniger Menschen wollen mit dir sprechen. Freiwillig schon gar nicht.

Du rennst von Termin zu Termin und merkst gar nicht, dass dir niemand mehr «folgt.»


Die Anderen bleiben zurück und warten auf deinen Herzinfarkt, deinen Zusammenbruch, dein «Burnout». Danach sagen sie: «Das sahen wir schon vor langer Zeit kommen.»

Schaffst du es noch nach Hause, sind dir die Kinder fremd, deine Ehefrau… oder bist du bereits seit Jahren allein?


Zweimal geschieden, dem Alkohol und der Fernbedienung verfallen...

Warten die Vereinskollegen auf dich? Willst du dort auch noch vorwärtskommen?

Ist es das wert?

Was willst du mit deinem Leben machen? Denk darüber nach – ich höre dir zu!

Fröhliche Grüsse

Dein Zuhörer

Marcel Fantoni


ps: Bis am kommenden Sonntag, ich freue mich! Vor mir liegt ein Buch von Anselm Grün (Benediktinermönch und Schriftsteller) mit dem provozierenden Titel:

«Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte.»

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