• marcelfantoni

Ich "weine" um ein Buch...

In meinem Leben habe ich sehr, sehr viele Bücher gekauft. Ich wollte immer von Anderen lernen, lernen, lernen...

Als ich in den Ruhestand ging, habe ich 98% meiner Militaria-Bücher den Mitarbeitern und Arbeitskollegen verschenkt. Dazu habe ich in einem Sitzungszimmer alle Bücher schön präsentiert. Der Saal war mit Büchern "gefüllt"... am Abend lagen noch drei Bücher dort!

In meinem Berufsleben hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis mit einem Buch:

Ich bekam einen neuen Chef, wieder einmal und ich hatte sehr grosse Erwartungen an ihn. "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", war einer seiner meist verwendeten Sätze. Ich war überrascht, denn das Buch von Milan Kundera, das 1984 erschienen ist, hat mich beim Lesen fasziniert und ich habe nachher alle Bücher von Kundera gekauft.

Aber mir war nie klar, was der Chef für einen Zusammenhang zwischen seinem Satz und dem Buch eigentlich sah.

Im Roman von Kundera geht es um einen "kaputten" Typen, der aus der ehemaligen Tschechoslowakei geflüchtet war. Als Chirurg arbeitete und lebte er in Zürich. Sein Verhältnis mit dem Staat führte zu einem schwierigen Leben und vor allem sein Verhältnis zu Frauen zeigte die Hauptfigur des Romans, den Chirurgen, als verwirrend, zerstörend, brutal...

Was sah mein Chef in diesem Buch? Ich musste ihn fragen und ich tat es. Er hatte keine Ahnung, kannte das Buch nicht. Er verwendete einfach den Buchtitel!

Ich war perplex, geschockt, enttäuscht...

Bücher sind mein Treibstoff und waren es immer. Als Kind las ich jede Nacht unter der Bettdecke... schlief dafür in der Schule... als mein "Lieblingslehrer" in der 4. Klasse uns verliess, schenkte ich ihm mein Lieblingsbuch. Thema: die Eigernordwand (Begehung dieser Wand). Ob Herr L. noch lebt? Mein Buch noch besitzt?

Der Wegzug dieses Lehrers war für mich ein unglaublicher Verlust!

Und jetzt werde ich von einem Chef "geführt" der Buchtitel als Denken vermittelt!!! Durchgefallen! Schade!

Einmal mehr von einem Chef enttäuscht.

Mit Büchern konnte ich meinen Geist beruhigen, füttern, ablenken...

Ab und zu räume ich jetzt meinen "Bücher-Keller" auf... verschenke Bücher und … werfe auch Bücher weg. Das tut mir jedes Mal sehr leid, aber ich muss "aufräumen"... und plötzlich... kommt mir ein Gedanke... ich suche das Buch und finde es nicht mehr.

In den letzten Tagen habe ich so ein Buch über Vincent van Gogh gesucht. In seinem kurzen Leben (1853-1890) fand ich immer sehr viele Parallelen zu meinem Leben... die Suche... die Theologie... die Enttäuschungen... das Grübeln... aber das Buch ist weg! Solche Situationen, d.h. das Erinnern und das Nicht-mehr-Finden... verwirrt mich. Ich könnte weinen...

Aber es gibt Schlimmeres... ich weiss!

Die Natur tröstet mich in solchen Situationen immer, darum war ich als Kind so ein begeisterter Pfadfinder. Die Pfingst- und Sommerlager gehören zu meinen schönsten Erinnerungen in meinem Leben. Weg von zu Hause, dafür draussen in der Natur. Ein einfaches Leben im Zelt, aber zusammen mit Freunden.

Bücher liebe ich über alles, auch heute noch.

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Ausser in Romanen, arbeite ich mit Büchern, also ich unterstreiche Worte, male sie an, schreibe in das Buch meine Lehren...

ich lese Bücher auch mehrmals. Das ist interessant, denn ich spüre dabei meine eigene Entwicklung. Das Buch wird mit mir zusammen alt.

Gegenwärtig lese ich sehr viel von Dalai Lama, Thich Nhat Han und weiteren Buddhisten. Ich will den Buddhismus verstehen und meinen Lebensweg mit dem Ziel, den Mount Everest in mir drin zu besteigen, den Buddhismus als Proviant, als Nahrung, als Energiespender... mitnehmen.


Loslassen - Aufmerksamkeit - Atmen - Meditieren


Bist du auch ein "Büchernarr?"


Zitat:

"Ein Gramm gutes Beispiel wirkt mehr als ein Zentner Worte." Franz von Sales (französischer Theologe... 1567-1622)


PS: Ergänzung zum Wort-Bild von gestern "Mars...": besuche unbedingt die sehr interessante Website von SpaceX:

www.spacex.com

Wunderbare Bilder!


LTA!


Herzliche Grüsse

Marcel

Wort-Maler und Zuhörer

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